Der erste Tag
Die Buchmesse im Ried ist der Underdog im Rhein-Main-Gebiet mit unzähligen Independent-Verlagen, die noch ihr Herzblut in die Publikationen stecken und ein Garant für Diversität in der Literaturwelt sind. Eine Art politisches Statement, wenn man es mit einem Augenzwinkern betrachten will. Die 42erAutoren waren in diesem Jahr das dritte Mal dabei und es gab ein großes, herzliches Hallo mit Veranstaltern und Ausstellern.
Der Aufbau, die Preisverleihung und ein Vortrag mit dem klitzekleinsten Schreibwettbewerb der Welt
Jo, Carmen und ich kämpften unsere Materialschlacht beim Aufstellen der unzähligen Veröffentlichungen der 42er, unseren Jubiläumsbüchern, den Flyern, dem Infomaterial, unseren beliebten Gelschreibern und das Aufhängen der Bilder vom Putlitzer Preis. Unterstützung erhielten wir von der Künstlerin Andrea Interschick, die mit ihren Kunstminiaturen und ihrem Kunstband „Baumland“ den Stand bereicherte.
Der Vortrag und eine großartige Hörerschaft
Andrea hat bei unserem Vortrag „Schreiben ist Begegnung. Meistens mit sich selbst.“ das großformatige Gemälde „Heimatbaum“ im Original zur Verfügung gestellt. Bevor wir aber in das Thema „Biografisches Schreiben als Ressource und Risiko für literarische Texte“ einstiegen, stellten wir den Verein vor, zu dem es unzählige Fragen gab, sowohl von uns bekannten Autorinnen und Autoren, als auch neuen Gesichtern und Verlegern. Eine Gemeinschaft von Geschichtenerzählerinnen und -erzählern, Identitätsdieben und Lügenbaronessen- und der Einsicht, Geschichten sind die kulturelle DNA der Menschheit – und wir dürfen sie uns nicht von einer KI erzählen und nicht von Mainstream-Verlagen diktieren lassen. Ein bisschen Pathos und Verschwörungsgefühl darf auf so einem Familientreffen schon mal entstehen.

Das Verweben von Bild und Biografie
Im Rahmen des Vortrages riefen wir zum klitzekleinsten Schreibwettbewerb der Welt auf Postkartengröße aus, mit einem Schreibimpuls zu Andreas Gemälde. Der Hintergrund war, dass eine Geschichte von mir zu Andreas Bildern in dem Kunstband verwoben war und wir beide selbst überrascht und angerührt waren, wie sich unsere Biografien, ohne unsere Hintergründe zu kennen, auf fast mystische Weise ineinandergriffen. Danach zeigte sich, wie Biografien auch in Messe-Bücher einflossen, wie zum Beispiel bei den 42erautoren im Roman von Horst-Dieter Radke „Lebensgleise“ oder dem Lyrikband „Nachhallschatten“ von Sven Buchsteiner. Eine kurze Lesung von Theresa Seel zu einem Schreibimpuls der Autorin Sylvia Schmieder: „Eine wahre Geschichte in sieben Bildern“ machte den sehr berührenden Abschluss.
Gespräche, Gespräche, Gespräche
Nach diesem Event kamen wir danach bis 18 Uhr nicht mehr von unserem Stand weg, weil ein Gespräch das andere jagte und die Geschichten kein Ende mehr nahmen. Es war ein großartiger erster Tag mit intensiven Begegnungen, interessanten Menschen und natürlich, dem Motto des Tages getreu, unzähligen ineinandergreifende Biografien.
Ulrike Sabine Maier
