
Eine unermüdliche, gute Seele hat die Welten gewechselt und lässt uns sonst so wortgewandte Autorinnen und Autoren sprachlos zurück.
Als die 42erAutoren 2005 zum ersten Mal den Putlitzer Preis verliehen, war Ulla Berndt sofort zur Stelle: Sie wirbelte durch die Pfarrscheune, durch die Küche, schmierte Schmalzstullen, rückte Tische und Stühle. An allen Ecken und Enden kümmerte sie sich, organisierte, improvisierte. Jahr für Jahr hielt sie die Fäden in der Hand, koordinierte und kommunizierte – egal ob das Knie schmerzte oder der kleine Fahrradunfall zu Blessuren geführt hatte. Ulla Berndt war immer eine Frau der Tat. Auch wenn sie sich selten beklagte, heißt das nicht, dass es ihr immer nur gut ging – nein, das tat es ganz und gar nicht. Kummer kannte sie sehr wohl, aber sie hielt nichts davon, „das eigene Leid anderen andauernd mitzuteilen“ (O-Ton). Jammern war eben so gar nicht ihr Ding.
Ihr Ding war etwas ganz anderes:
Früher war sie Lehrerin gewesen – nicht einfach nur „als Job“, sondern voller Leidenschaft. So hatte sie, unter anderem, zu DDR-Zeiten mehrere Jahre lang als Landlehrerin gearbeitet, das heißt, sie war von Dorf zu Dorf gefahren und hatte dort unterschiedliche Klassen und sogar mehrere Stufen gleichzeitig unterrichtet. Nie vergessen haben Ulla auch die Vietnamesen, denen sie einst Deutschunterricht gegeben hatte. Mit offenen Armen begrüßten sie Ulla letztes Jahr, als sie mit ihrem Sohn Cornelius nach Vietnam reiste. Zur letzten Preisverleihung in Putlitz trug sie dann stolz ihr vietnamesisches Kleid und zeigte uns das Fotobuch, das ihr Sohn von der Reise zusammengestellt hatte.
Die Lehrerin hat Ulla Berndt nie „abgelegt“. Sie blieb es bis zum Schluss und brachte Schülern und Schülerinnen Plattdeutsch, das ihre zweite Leidenschaft geworden war, bei. Ihre „Platt-Kinner“ waren fester Bestandteil der jährlichen 42er-Scheunenlesung, die seit 2015 am Vorabend der Preisverleihung stattfindet. Auch das werden wir vermissen, vor allem aber dich, liebe Ulla! Deine Geschichten. Deinen kritischen Blick. Dein Kümmern. Wi sünd bannig truurig, dat du nich mehr dor büst. Du warrst uns fehlen!
Wir 42er sind überzeugt: Alle, die dich kannten, werden dich vermissen. Wir hatten das große Glück, dich zu kennen, und für uns wird das zweite Juni-Wochenende in Putlitz nie mehr so sein, wie es war.
Maak es joot dor boven, Ulla!
Deine 42er
Claudia Kociucki, Ulrike Maier und Beate Paul
im Namen der 42erAutoren e.V.
