Liebe 42er!
Unsere unversöhnliche Welt macht es nicht leicht, versöhnliche Wünsche zum Jahreswechsel zu formulieren.
Im Kleinen gelingt das noch ganz gut. Zum Tod unseres lieben Kollegen Amos Ruwwe hat die eine oder der andere passende Worte gefunden (nachzulesen im 42er-Forum). Das tut gut.
Im Großen reicht es schon längst nicht mehr, passende Worte zu finden, und der Versuch, als Schriftstellerin/Schriftsteller einfach ein bisschen wahnsinniger zu sein als der Rest der Welt, scheitert an einer noch wahnsinnigeren Welt.
Die Erde stürzt in eine „große Biodiversitätskrise“ — so nennen Wissenschaftler das, wenn mehr als 75 % aller Arten auszusterben drohen —, und wir wechseln zur Abwehr der Krise von Atomstrom zu Erdgas. Große Kulturvölker werden von skrupellosen Wahnsinnigen beherrscht, und andere große Kulturvölker wissen nichts Besseres zu tun, als sich noch skrupellosere Wahnsinnige zum Oberhaupt zu wählen. In vielen Teilen dieser krisengeschüttelten Welt werden Menschen ausgebeutet, ihrer Abstammung, ihrer Religion, ihres Geschlechts und anderer Gründe wegen benachteiligt und sogar umgebracht. Immerhin appellieren deutsche Behörden, T-Shirts und Mobiltelefone aus solchen Ländern nicht zu kaufen, und distanzieren sich von jeder Form der Ungerechtigkeit, indem sie Gender-Sternchen setzen — worüber sich andere wiederum mehr aufregen, als über alles zuvor Genannte.
Und wir 42er, die wir die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest im Namen tragen, was machen wir in dieser unversöhnlichen Welt? Gegen die Zerrissenheit an-poetisieren? Erst recht in die Wunden hacken und ein Zerreißen an den Schwachstellen provozieren? Der „guten alten“ Zeit nachtrauern, die zwar alt, aber durchaus nicht gut war? Am Unverständnis der neuen Sensibilität für Missstände verbittern? Wie manch vormals respektabler Publizist nur noch nach den ganz tief hängenden Früchten greifen? Einen neuen Vereinsvorstand wählen? — Das haben wir zumindest gemacht. — Oder hätten wir doch lieber den alten Vorstand zum Länger-Durchhalten überreden sollen, wo außen herum vieles umkippt?
Trotz oder gerade wegen des gegenwärtigen Drucks auf Menschlichkeit und Kultur tun wir als neuer Vorstand unser Bestes, um den Verein voranzubringen. Wir haben die Vereins-Webseite modernisiert, neue Social-Media-Accounts erstellt (neben Facebook sind wir nun auch auf Instagram, TikTok, BlueSky und Threads), werben Neumitglieder an und führen allenthalben Aufräum- und Aufbauarbeiten durch. Dazu haben wir die Rechte am Namen „42er” gekauft. Eigentum verpflichtet. Wir glauben für uns und für die Welt um uns herum: Wenn eine Sache umfällt, gilt es, 42 neue Dinge aufzustellen.
Als Verein helfen wir Buchstaben auf die Welt, schreiben Texte, sammeln und prämieren Kurzgeschichten beim Putlitzer Preis. 2025 prämierte der damalige Vorstand Texte zum Thema „Sollbruchstelle“ (nicht aus Zynismus über den Zustand der Welt). Uns erreichten über 400 Einsendungen; die sechs Preisträger-Werke haben uns begeistert. Für 2026 lag die Themenwahl nun in unseren Händen. Mit dem sehr offenen Thema „Durch“ haben wir eine Lawine losgetreten: Unglaubliche 900 Einsendungen fluteten unser Postfach. Die Jury ist mehr als ausreichend beschäftigt und hoffentlich bald auf die eine, aber nicht die andere Art damit „durch”.
Wie man sieht: Der Drang zur kreativen Betätigung bleibt trotz des gegenwärtigen Gemengelages ungebrochen. Bücher und Kurzgeschichten sind nur ein winziger Ausschnitt menschlicher Kulturerzeugnisse, aber auch das ist ein wichtiger Baustein der Menschlichkeit, wenn wir der Ungerechtigkeit und dem politischen Wahnsinn etwas entgegensetzen wollen. Unsere Spezies, so bleibt zu hoffen, soll zu den 25 % gehören, die diese Krise überleben. Übertrieben? Hoffentlich! Aber verlassen wollen wir uns lieber nicht darauf. Ohne Literatur, Kultur, Humor wird es auch mit der Hoffnung schwierig.
Für uns selbst und die Werte, die wir lieben, trainieren wir auch weiterhin unsere schöngeistigen Fähigkeiten, helfen auch im kommenden Jahr Buchstaben auf die Beine — persönlich und im sukzessive renovierten Internet- und Foren-Ambiente. Wir sind gespannt, welche sechs Kurzgeschichten es nach Putlitz schaffen werden, und inwieweit und womit die Helden und/oder Heldinnen der Geschichten „durch” oder nicht „durch” sind.
Der Vorstand der 42er dankt allen, die sich im Verein und im Umfeld engagieren. Wir wünschen Euch allen ein versöhnliches neues Jahr!
Herzlichst,
Achim Friker, Silke Elzner und Michael Höfler
