Rico Beutlich

Rico Beutlich

… oder: Qualität spielt keine Rolle?

Veröffentlichen – das ist’s, wonach Autoren streben. Zehntausende Neuerscheinungen sieht der deutsche Buchmarkt alljährlich, aber die Zahl der veröffentlichungswilligen Autoren liegt um ein Vielfaches darüber. Die Nachwuchsautoren wissen oft weder, dass üblicherweise der Verlag allein das unternehmerische Risiko trägt, noch können Sie die Qualität ihres Geschriebenen realistisch einschätzen. Diesem Umstand verdankt eine ganze Branche ihre Existenz – diejenige der „Druckkostenzuschussverlage“ (DKZ), die oft vier- bis fünfstellige Summen nehmen, damit der Hobbyautor seinen Namen auf einem gedruckten Buch lesen kann. Die Selbstdarstellungen der Unternehmen lassen keine Gelegenheit aus, auf die literaturfördernden Ambitionen und den hohen Anspruch zu verweisen. 

Wenn Buch gleich Buch ist und sich die Verlage nur dadurch unterscheiden, dass Gelder anfangs in verschiedene Richtungen fließen, mag die Entscheidung für einen Dienstleistungsverlag nicht so dumm sein, wie sie zunächst erscheint. Sollte also tatsächlich auf Qualität geachtet und nicht, wie oft kolportiert wird, alles publiziert werden, wären diese Firmen weniger schlecht als ihr Ruf.
Wir haben deshalb die Probe aufs Exempel gemacht und sechs der bekanntesten DKZ-Verlage mit einem Manuskript konfrontiert, das schlimmer nicht sein könnte … Parallel sandten wir das Werk an drei Profis aus dem Literaturbetrieb, um eine unabhängige Einschätzung der Qualität des Projekts zu erhalten …

So entstand durch seine Schöpfer, die Autoren Tom Liehr, Michael (Kaelo) Janßen und Michael Hoefler, die Kunstfigur Rico Beutlich mit eigener Homepage und E-Mail-Adresse. Der vollständige Bericht über dieses Projekt ist im Autorenkalender 2010 abgedruckt, der zeitgleich mit einem entsprechenden Artikel in „Spiegel Online“ erschien. Die Resonanz war sehr groß. Hier finden Sie eine Auswahl der Reaktionen in Print- und Internetmedien, in Foren und in Blogs. Rico Beutlich wurde insbesondere durch seine Videolesungen bei youtube mit über 12.000 Aufrufen zu einer Art Kultfigur und durch die Medienaufmerksamkeit zum Synonym für einen erfolglosen Möchtegernschriftsteller, der bei den Druckkostenzuschussverlagen offene Türen eintritt.

Wir präsentieren Ihnen die gesamte Einsendung und weitere Hintergründe:

Sie glauben, ein kleines Stückchen Talent muss doch vorhanden sein, wenn ein Verlag das Buch eines unbekannten Autors in sein Programm aufnimmt? Überzeugen Sie sich selbst:

Was benötigt man, um einem Verlag ein Manuskript anzubieten? Zunächst einmal ein Anschreiben. Dieses sollte den Lektor neugierig machen, Interesse wecken, mehr zu erfahren; über den Roman und über den Autor Rico Beutlich: Anschreiben und Exposé (sämtliche Interpunktions- und Rechtschreibfehler sind selbstverständlich gewollt)

„Nun gut“, mögen Sie sagen, „viele große Schriftsteller waren nicht gut in der Schule. Dafür gibt es schließlich Lektoren.“ Da haben Sie Recht. Lassen Sie sich also, ungetrübt vom ersten Eindruck des Exposés, von den schriftstellerischen Qualitäten des Rico Beutlich überzeugen. Hier ist die den Verlagen übersandte Leseprobe.

Als die ersten Verlage nach dem grausigen Exposé und der zehnseitigen Leseprobe das gesamte Manuskript anforderten, sahen sich Tom Liehr, Michael Höfler und Michael (Kaelo) Janßen in Zugzwang. Wie sollten sie auf die Schnelle ein Manuskript mit den angegebenen 842 Seiten fabrizieren? Willkürlich kopierten sie aus rechtefrei zur Verfügung stehender Literatur die Kapitel zusammen, versahen sie mit einigermaßen passenden Überschriften und das vollständige „Manuskript“ war absendebereit – die gesamten 842 Seiten wollten wir Ihnen nicht zumuten. Jeweils unter der Kapitelüberschrift sind die Quellen angegeben, die im übersandten Manuskript natürlich fehlten …

Ob und ggf. welche Verlage einen Vertrag anboten und zu welchen Konditionen, konnten Sie im Autorenkalender 2010 lesen. Da dieser inzwischen nicht mehr erhältlich ist, werden wir Ihnen in Kürze den gesamten Artikel hier zur Verfügung stellen.

Herzlichst
Ihre 42er Autoren